Trinkwasseraufbereitungsanlage Siegelsknippen - Talsperrenwasser

 
Inhaltsstoffe des Rohwassers
Gelöste Stoffe
  • Natürliche Humusstoffe (Abbauprodukte der Pflanzen; ungiftig, braun) 
  • Natürliches Eisen und Mangan (ungiftig, braun) 
  • Organische Stoffe von Algen und Bakterien (geruchsbildend, selten auch giftig)
  • Bei unsachgemäßer Anwendung: Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel (giftig)
  • Bei Gewässerunfällen: Chemikalien wie Mineralöle, Lösemittel, Bestandteile von Reinigungsmitteln (geruchsbildend, giftig)
Partikel und Trübstoffe
  • Lebende oder abgestorbene Bakterien, Algen, Wassertierchen (geruchsbildend)
  • Mineralische Trübstoffe aus Abschwemmungen, Eisen und Mangan
  • Krankheitserreger aus Abwasser und Tierfäkalien Diese Stoffe bilden sich im Stausee durch Wachstum und Abbau von Algen sowie anderen Wasserorganismen oder werden über die Zuläufe eingeschwemmt.
  • Typische Mikroalgen: Die Mikroorganismen im Rohwasser bestimmen, welche Aufbereitungsverfahren erforderlich sind.
Typische Mikroalgen

Die Mikroorganismen im Rohwasser bestimmen, welche Aufbereitungsverfahren erforderlich sind.

 

Das Rohwasser der Wahnbachtalsperre wird über das Pumpwerk in Seligenthal bis zu 100 Meter hoch zur Trinkwasseraufbereitungsanlage Siegelsknippen gehoben. Bei Bedarf kann im Pumpwerk Seligenthal Kaliumpermanganat in die Transportleitung zudosiert werden, um vor allem gelöstes Mangan zu oxidieren. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit der Zugabe von Pulveraktivkohle, um im Bedarfsfall organische Spurenstoffe wie auch Geruchs- und Geschmacksstoffe durch Adsorption entfernen zu können.

Die Aufbereitung des Talsperrenwassers in der Anlage in Siegelsknippen umfasst die Verfahrensstufen Flockung, Filtration, Restentsäuerung und Desinfektion, wie in der Grafik schematisch dargestellt. 

 

 

 

Flockung und Flockenbildung

Um Mikroorganismen sowie winzige Stör- und Schadstoffpartikel in den Sandfiltern abzufiltrieren und vollständig aus dem Wasser entfernen zu können, muss man sie mit Flockungsmitteln binden. Verwendet werden dazu unter anderem Eisen- oder Aluminiumsalze, die im Wasser zu unlöslichen Flocken ausfallen. Der Wahnbachtalsperrenverband setzt dafür Eisensalze ein, deren Einmischung extrem schnell verlaufen muss. Und zwar innerhalb von einer Sekunde, um mit möglichst wenig Flockungsmittel (weniger als ein Gramm pro Kubikmeter Wasser) auszukommen. Nach der Einmischung sind die Flockungsmittel zunächst an der Oberfläche der Partikel gebunden und noch keine Flocken erkennbar. Durch Rührwerke wird erreicht, dass die Partikel zusammenstoßen und aneinander haften bleiben. So entstehen die abfiltrierbaren Flocken.

Filtration und Filterspülung

Die installierten Mehrschichtfilter besitzen eine obere Schicht aus grobkörnigem Anthrazit. Darunter befindet sich feiner Quarzsand. Das Wasser sickert von oben nach unten durch die Filterbecken und die darin gebildeten Flocken werden in den Hohlräumen zwischen den Sandkörnern zurückgehalten. Wenn nach circa ein bis zwei Tagen die Hohlräume im Filterbett, die sogenannten Filterporen, verstopft sind, wird der Filter zurückgespült. Zunächst wird das Filterbett mit Luft gelockert. Danach wird Reinwasser in großen Mengen und mit hoher Geschwindigkeit von unten nach oben durch den Filter gepumpt. Dabei verbleibt das schwere Filtermaterial im Filter, die leichteren Trübstoffe werden ausgeschwemmt.

Desinfektion

Die Desinfektion ist der letzte Schritt bei der Aufbereitung zu Trinkwasser vor der abschließenden Entsäuerung. Sie stellt sicher, dass restliche, noch vereinzelt vorhandene Mikroorganismen abgetötet werden und das Trinkwasser in einem hygienisch einwandfreien Zustand über das Verteilungsnetz beim Verbraucher ankommt. Desinfektion mit Chlor verursacht im Trinkwasser unerwünschte und schädliche Chlorumwandlungsprodukte. Daher wurde beim Wahnbachtalsperrenverband bereits in den 1980er Jahren die Desinfektion mit Chlordioxid eingeführt.

Restentsäuerung

Am Ende der Aufbereitung wird dem Trinkwasser reines Kalkwasser zugesetzt, um Reste von Kohlensäure zu binden. Damit wird verhindert, dass Rohrleitungswerkstoffe korrodieren, Stoffe dadurch gelöst und die Wasserqualität beeinträchtigt wird. Die Einmischung erfolgt in einem großen Mischer. Dieser kann beim WTV unter einer Glaskuppel besichtigt werden.