Historie

Seit über 60 Jahren beliefert der Wahnbachtalsperrenverband (WTV), der am 12. Juni 1953 gegründet wurde, die Region Bonn/Rhein-Sieg bis ins nördliche Rheinland-Pfalz mit Qualitätswasser. Ausschlaggebend für das geplante Großprojekt waren damals ein erhöhter Trinkwasserbedarf in der Region sowie hygienische Probleme im ehemaligen Siegkreis. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die Stadt Bonn, der Landkreis Bonn, der Siegkreis, die Stadt Siegburg und die ehemaligen Phrix-Werke. Die waren mit 13 Millionen Kubikmetern Wasser auch einer der ersten Großkunden. Allerdings handelte es zunächst nicht um Trinkwasser, sondern Brauchwasser. Heute produziert der Verband mit seiner modernen Trinkwasseraufbereitungsanlage auf den Siegelsknippen für circa  800.000 Menschen hochwertiges Trinkwasser.

Vier Jahre, von 1954 bis 1958, dauerten die Bauarbeiten, bis die Talsperre in Betrieb genommen werden konnte. Vor dem ersten Spatenstich mussten die „Lüttersmühle”, das Gasthaus „Wahntaler Schweiz“ sowie zwei landwirtschaftliche Anwesen, der Hof „Hillenbach” und „Petershof” abgerissen, die Bewohner dieser Häuser umgesiedelt werden. Am Einlauf des Wahnbaches, wo die heutige Vorsperre steht, befand sich die Gaststätte „Herkenrather Mühle”, die der WTV über mehrere Jahre als Versuchsanlage für Phosphor-Eliminierungsanlagen nutzte.

  • Wohnhaus und Scheune des Hofes Hillenbach.

  • Der Petershof von der Wahnbachtalstraße aus gesehen.

  • Rückansicht der Lüttersmühle. Die Wasserräder liegen so tief, dass sie nicht einsehbar sind.

  • Gebäude und Gaststätte Herkenrather Mühle, die zu den ältesten Mühlen im Umkreis zählte.

  • Lüttersmühle und Gasthaus "Wahntaler Schweiz" im Wahnbachtal, nach einem Ölbild von F. Albus.

  • Die heute überstaute Bogenbrücke über das Derenbachtal.

Auf der gigantischen Dammbaustelle waren im Schnitt 550, in der Spitze sogar 840 Mitarbeiter beschäftigt, die mangels ausreichender Anzahl von Arbeitskräften im hiesigen Raum von außerhalb angeworben wurden. Bei der Schüttung des Dammbauwerks waren außerdem 55 Großraumkippfahrzeuge mit je 20 Tonnen Nutzlast im Einsatz. In Hochzeiten zählte man auf der Verbindungsstraße zwischen dem am Hang des Müncheberges eingerichteten Steinbruch und dem etwa 1.400 Meter entfernten Bauwerk bis zu 1.500 Transportfahrten täglich, pro Minute ein Fahrzeug in beide Richtungen. Ferner wurden 23 Dampfbagger, neun Planierraupen und acht Großbohrgeräte benötigt. Bereits am 19. Juli 1956 feierte man Richtfest und schon am 20. Dezember, zehn Monate früher als geplant, konnten die Absperrklappen im Grundablassstollen des Dammbauwerks geschlossen werden. Damit begann der Einstau der Wahnbachtalsperre. 50 Jahre später, 2008, musste die Talsperre wegen dringender Sanierungsarbeiten auf eine Resttiefe von rund 20 Metern abgelassen werden. Tausende Besucher pilgerten in das „leere Tal“, erlebten einen wahren Wandel der Natur und warfen einen Blick auf die sichtbar gewordenen Restmauern der einstigen Gebäude, die bis dahin überstauten Steinbrüche, Straßen und die erhaltene Bogenbrücke über das Derenbachtal.