Auswirkung der Klimaveränderung auf unsere Region

Wie wird sich der Klimawandel auf die Wasserversorgung in der Region auswirken? Wie wird die Trinkwassersituation in 40 bis 50 Jahren aussehen? Auf welches Szenario müssen sich die Versorger und Verbraucher einstellen? „Wir werden gesegnetes Land bleiben", sagt Norbert Eckschlag, Geschäftsführer des Wahnbachtalsperrenverbandes. Seinen Optimismus gründet er auf wissenschaftlichem Fundament. Untersuchungen besagen, dass die Niederschläge per Saldo in den nächsten Jahrzehnten zunehmen werden. "Wir erwarten heißere, trockenere Sommer und feuchtere, mildere Winter", so Eckschlag. Die Entwicklung der vergangenen Jahre lasse vermuten, dass der Wasserverbrauch nicht wesentlich steigen werde. Zurzeit gibt der WTV jährlich rund 43 Millionen Kubikmeter Wasser ab, die Kapazität von Talsperre und Wasserwerken liegt bei gut 60 Millionen Kubikmetern. Der Verbrauchswert ist seit Jahren konstant bis rückläufig. Eckschlag prognostiziert einen beständigen Grundwasserspiegel und stabile Wasserpreise. Investitionen seien praktisch nicht mehr nötig, weil der WTV schon in der Vergangenheit die richtigen Entscheidungen getroffen habe.

Allerdings wird sich wohl ein schon jetzt spürbarer Trend verstärken: An heißen Sommertagen entwickeln sich beim Wasserverbrauch deutliche Spitzen. Denn Gärtner und Landwirte bewässern mehr und die Menschen duschen häufiger. Zeitgleich sind dann private Reserven wie Regentonnen und Zisternen ausgeschöpft. Dennoch stelle das kein existenzielles Problem dar. Die Erschließung weiterer Potenziale durch eine neue Talsperre oder einen Brunnen sei nicht geplant. Wenngleich es eine politische Frage bleibe, ob man sich die Option einer weiteren Talsperre im Naafbachtal erhält. Der Kreis ließ bereits eine Studie zur Wasserversorgung in den kommenden 20 Jahren erstellen. Darin wurde auch die Versorgung im Katastrophen- und Verteidigungsfall untersucht. Eine der wichtigsten Herausforderungen der Zukunft für den WTV wird der Dialog mit der Landwirtschaft über Erosionsschutz sein. Denn wenn die Böden im Einzugsbereich der Talsperrenzuflüsse versteppen, steigt der Eintrag von Schad- und Nährstoffen in das Wasserreservoir. Und das bedeutet mehr Reinigungsaufwand und weniger Trinkwasserausbeute.

Die insgesamt optimistische Einschätzung Eckschlags stützt eine Untersuchung des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) im Auftrag der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Das Potsdam-Institut für Klimafolgeforschung hat die Wetterdaten der Jahre 2004 und 2006 mit globalen Werten verknüpft und eine NRW-Prognose für 2055 erstellt. Demnach wird das Temperaturmittel noch einmal um zwei Grad Celsius ansteigen, der Niederschlag um 30 Prozent zunehmen. Es gibt weniger Frosttage und dafür mehr heiße Sommertage. "Ein Katastrophenszenario ist nicht zu erwarten", glaubt Karsten Falk, Fachwissenschaftler für Klimafolgen beim LANUV. Handlungsbedarf bestehe aber für die Land- und Forstwirtschaft, die Wasserwirtschaft und den Sektor der Gesundheitsvorsorge. Denn ältere und schwache Menschen werden im Sommer unter der Hitze leiden. Die Landwirte müssen darüber nachdenken, wie sie den Regen, der im Winter reichlich fallen wird, speichern können, um ihn im Sommer für die Bewässerung der Felder zu nutzen. Das rät Agrarmeteorologin Brigitte Klante vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

Die Obst- und Gemüsebauern aus der Region sollten auch darüber nachdenken, inwieweit sie auf andere Pflanzenkulturen und -züchtungen umsteigen. Nach den Worten der DWD-Meteorologin erleben wir das schon jetzt bei den Winzern, die inzwischen wärmeliebendere Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon anbauen. Künftig könnten Tomaten und Paprika im Freiland angebaut werden, in der Vorderpfalz würden schon jetzt Melonen geerntet. Dagegen könne das künftige Klima dem kälteliebenden Apfel abträglich sein. Auch die Förster stellen sich bereits auf die neuen klimatischen Bedingungen ein. Denn Baumarten, die Extremstandorte bevorzugen, sind laut Thomas-Hans Deckert, Eitorfer Oberforstrat, gefährdet. Flach wurzelnde Nadelhölzer wie die Fichte, die noch 45 Prozent der Waldfläche im Rhein-Sieg-Kreis ausmachten und für die Besitzer eine Haupteinnahmequelle darstellen, würden voraussichtlich zurückgedrängt. Mit den heißen, trockenen Sommern könnte auch die Waldbrandgefahr steigen. Auf der anderen Seite erwarteten wir mehr Starkregenfälle, deren Wasser direkt in die Flüsse abflössen und damit nicht mehr dem Grundwasser zugutekämen, prognostiziert Deckert. Die Förster haben schon seit dem Sturm Kyrill angefangen, mehr Laubbäume zu pflanzen, deren Wurzeln tiefer in die Erde dringen. Für die Fauna sagen die Waldfachleute einen Vorteil für „Allrounder" wie Wildschwein, Fuchs und Reh voraus. Auch die wärmeliebenden Reptilien wie Eidechsen und Blindschleichen könnten profitieren. Frösche und Molche werden es schwerer haben. Wettermann Karsten Brandt ist überzeugt, dass das Rheinland vom Klimawandel in den nächsten 40 Jahren profitieren wird. Die These, dass Unwetter mit Sturm und Starkregen zunähmen, sei empirisch nicht nachweisbar. Gleichwohl ist das Bonmot von Bonn als nördlichster Stadt Italiens auf gutem Wege, Realität zu werden. Klimatisch hat sich die Rheinstadt in den vergangenen 100 Jahren in Richtung Süden bewegt und liegt jetzt in Höhe von Luzern. 2047 wird sie sich auf dem Weg von Verona nach Venedig befinden.