
Bild links: Verschiedene Planktonalgen
Bild rechts: Planktothrix rubescens alter Name (Oscillatoria rubescens)
Cyclotella radiosa
Die Algen haben unterschiedliche Strategien zum Überleben entwickelt. Kleine Algenzellen wie Chlorella, Cryptomonas und Cyclotella, sinken nur langsam und vermehren sich schnell. Allerdings werden diese Algen auch bevorzugt gefressen. Die Bildung von Zellkolonien, wie bei Aulacoseira und Planktothrix (Fäden) oder Asterionella und Fragilaria (Sterne und Zellketten), bewirkt, dass diese Algen für den Filtrierapparat von Wasserflöhen (Daphnia) zu sperrig sind und deshalb weniger gefressen werden.
Dazu dient auch die Bildung von Kieselschalen (Diatomeen), Gehäusen (Dinobryon) oder Panzern (Ceratium). Durch den Besitz von Flagellen, wie bei Cryptomonas, Ceratium und Dinobryon, oder durch feine Gasbläschen, wie sie manche Blaualgen (z.B. Planktothrix) ausbilden, können viele Algen aktiv schwimmen.
Die photosynthetisch aktiven Organismen (Algen) im Freiwasser wachsen in der Wassertiefe, wo sie genügend Licht, die optimale Temperatur und ausreichend Nährstoffe (z.B. gelösten Phosphor) antreffen. Das kann dazu führen, dass manche Algenarten (z.B.Stephanodiscus hantzschii) überwiegend oberflächennah heranwachsen und mit zunehmender Wassertiefe abnehmen, während andere Arten, wie die Blaualge Planktothrix (Oscillatoria rubescens), vermehrt in tieferen Wasserschichten auftreten. Viele Planktonalgen sind zudem eigenbeweglich und können im Tagesverlauf aktiv im Wasser auf und ab wandern.
Langzeitentwicklung der Blaualge Planktothrix (Oscillatoria) rubescens
Entwicklung der Blaualge Planktotrix (alter Name Oscillatoria) rubescens in der Wahnbachtalsperre von 1966 bis 2005
Planktothrix rubescens (Oscillatoria rubescens) ist die einzige Blaualge in der Wahnbachtalsperre, die von größerer Bedeutung für die Trinkwasseraufbereitung ist. Ende der sechziger Jahre zeigten sich Massenentwicklungen dieser Alge. Da sich Algenfäden durch Hin- und Herkrümmung bewegen, können sie bei Massenvorkommen durch die Filter im Wasserwerk gelangen. In diesen Zeiten musste deshalb dads Rohwasser durch eine zusätzliche Aluminiumdosierung und den Einsatz eines Flockungshilfsmittels behandelt werden. Der Betrieb der Phosphor-Eliminierungsanlage (PEA) verhinderte weitere Massenentwicklungen der Alge, sodass die Höchstwerte heute etwa 10mal niedriger als die Spitzenwerte von damals liegen.
In einigen Sommern, wie z.B. 1982, 1983 und 1990 war Planktothrix im Plankton sogar völlig verschwunden. Anfang der siebziger Jahre trat ein für Planktothrix rubescens völlig untypisches Phänomen auf: Die Alge wuchs nahe der Seeoberfläche und rahmte in Buchten sogar zu dichten, rötlich gefärbten Algenmatten auf. Für die Trinkwasseraufbereitung bereitete dies keine Probleme, da das Rohwasser über dem Seegrund entnommen wurde, wo nur sehr wenige Algen vorhanden waren. Seither sind solche Massenvorkommen von Algen nicht mehr aufgetreten.
Das Rohwasser einer Trinkwassertalsperre sollte möglichst wenige Planktonorganismen enthalten. Durch die übermäßige Zufuhr an Nährstoffen in den sechziger Jahren entwickelten sich viele Algen und Zooplankter in der Wahnbachtalsperre (Eutrophierung).
Durch Reduzierung des Phosphorgehaltes in der Phosphoreliminierungsanlage und andere Maßnahmen konnte die Eutrophierung aufgehalten werden. Auch die Zusammensetzung der Algen hat sich seither günstig verändert: Der Bestand der Blaualge Planktothrix rubescens nahm deutlich ab und andere großzellige Algen, wie Fragilaria und Dinobryon, haben heute eine größere Bedeutung erlangt.