
In der Wahnbachtalsperre können mindestens 18 Fischarten nachgewiesen werden (s. Artenliste). Von diesen sind die meisten Arten durch Besatzmaßnahmen in den See gelangt. Heutzutage ist der Fischbestand durch eine sich selbst erhaltende Population von Blaufelchen dominiert, während er in den achtziger Jahren von den Karpfenfischen bestimmt wurde.
Eine Talsperre kann nur durch wenige Fischarten besiedelt werden. So verhindern die Absperrbauwerke die Wanderung von Fischarten in Flüssen und Bächen (z.B. Forellen) und die bei einigen Arten zur Fortpflanzung notwendige Abwanderung in das Meer (z.B. Aal).
Im Gegensatz zu natürlichen Seen wird die Unterwasservegetation in der Wahnbachtalsperre aufgrund der starken Wasserspiegelschwankungen von amphibischen Pflanzen dominiert. Diese sind nur an Stellen mit geringer Hangneigung (Stauwurzel, größere Buchten) bestandsbildend. Die steinigen Steilhänge sind demgegenüber nur sehr spärlich bewachsen. Diese Strukturarmut wirkt sich insbesondere für Hechte ungünstig aus. Auch für solche Fischarten, die beim Laichen auf Pflanzenbestände angewiesen sind, bietet die Talsperre keinen idealen Lebensraum. Begünstigt sind demgegenüber Fischarten, die auf kein spezielles Laichsubstrat angewiesen sind (Barsche) oder die im freien Wasser laichen (Blaufelchen).

Die Vorstellungen über den idealen Fischbestand einer Trinkwassertalsperre gehen weit auseinander. Die unterschiedlichen Sichtweisen sollen am Beispiel einer Fischart, dem Blaufelchen, verdeutlicht werden. Die Blaufelchen stammen aus dem Laacher See und wurden in die Wahnbachtalsperre eingesetzt. Ihr Bestand hat sich seither sehr gut entwickelt, wie man aus Echolotuntersuchungen weiß. Felchen besiedeln tiefe, sauerstoffreiche Seen und ernähren sich von Zooplankton, sind also planktivor. Ihr Vorkommen in der Wahnbachtalsperre entspricht dem Leitbild eines naturnahen Fischbestandes und aus Sicht des Naturschutzes wünschenswert.
Für eine Trinkwassertalsperre gilt jedoch das primäre Leitbild der Wasserreinhaltung. Dies wird durch eine Förderung der Raubfische und eine Begrenzung der Zooplankton fressenden Fische (z.B. durch Hegebefischungen) erreicht. Massenvorkommen der planktivoren Blaufelchen sind daher unerwünscht. Am Beispiel des Blaufelchens wird deutlich, dass die Interessen der Trinkwassernutzung und des Naturschutzes nicht immer vereinbar sein können. Für die Angler sind Blaufelchen ein hervorragender Speisefisch. Erst in den letzten Jahren wurden die überwiegend in den tiefen Bereichen der Talsperre lebenden Blaufelchen auch von den Anglern vermehrt gefangen.
Fazit:
Der ideale Fischbestand für die Talsperre ist je nach Nutzungsanspruch unterschiedlich. Da die Wahnbachtalsperre ein wichtiger Trinkwasserlieferant ist, hat die Erhaltung der Wasserqualität höchste Priorität und bestimmt demnach auch die Zusammensetzung des Fischbestandes.